Worringen hat wieder eine „Märchensiedlung“
Anfangs war ich irritiert, wenn mir jemand sagte: „Ach, da wohnen Sie ja in der Märchensiedlung!“ Ich murmelte dann etwas wie: „Wenn Sie meinen, wegen mir, wohn ich halt da!“ Ich kannte bis dahin nur Begriffe wie „Alte Neusser Landstraße, Bayer-Siedlung, Worringer Bruch und Bushaltestelle Worringen Süd“.
Alteingesessene Worringer haben mich dann „aufgeklärt“: „Als ich als Schulkind da vorbei kam, waren Märchenszenen an den Fronten der Häuser, und das war schön.“ (Anmerkung: Das waren noch die Zeiten, als das eine Siedlung nur für Bayer-Mitarbeiter war.)


Märchenszenen auf einer Worringer Ansichtskarte 1962
Irgendwann mussten die Fassaden nach und nach neu isoliert werden, und dabei sind die Märchenszenen abgeschlagen und das Ganze mit schlichtem Grau oder ähnlich faden Farben überstrichen worden. Und auch diese Farben waren zuletzt nicht mehr exakt definierbar.

Blick in die Siedlung 2011
Nun war ich völlig überrascht, als Ende letzten Jahres Handwerker wie Gerüstbauer, Elektriker, Fenstermontierer, Tischler, Balkonbauer, Dachdecker, Maler und Isolierer, Stuckateure u.v.a., über deren Existenz ich bisher noch keine Ahnung hatte, es sich nicht nehmen ließen, die Häuser dieser Siedlung rundum zu isolieren und umfassend zu renovieren.

Stand der Renovierungsarbeiten Frühjahr 2012
Die aktuell für die Siedlung zuständige Wohnungsbaugesellschaft Vivawest, bzw. deren Vorgängerin THS, hat sich im Rahmen dieser Renovierungsmaßnahmen entschlossen, über das Notwendige hinaus, die „Märchensiedlung“ wieder entstehen zu lassen. Die verantwortlichen Leute haben das Heimatarchiv Worringen e.V. kontaktiert und nachgefragt, ob es noch Bildmaterial über diese Zeit gibt. Immerhin existiert dort noch eine Ansichtskarte in „Schwarzweiß“ aus den 60er Jahren mit zwei der ursprünglich vorhandenen Motive. Nun werden zwei der Alten Neusser Landstraße zugewandten Fassaden von einer Spezialfirma mit diesen nachempfundenen Szenen verschönert.

So sieht es – zumindest an der ersten Fassade - seit Frühsommer 2012 aus
Ich finde es insgesamt ganz gut gelungen und hoffe mal, dass man es noch etwas optimieren kann und glaube desweiteren, dass es ein Image-Gewinn für die erste Einfahrt von der B9 aus Richtung Köln nach Worringen ist bzw. noch wird. Und Sie?
Text: G. R. Bodtke
Fotos: Ansichtskarte Heimatarchiv Worringen e.V. und G. R. Bodtke