Was stand vor mehr als 50 Jahren über Worringen im „Fips“ ? (April 1963)

 

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“

Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat April 1963; wird fortgesetzt.

 

  • Willi Jansen, Alte Neußer Landstraße 348, sucht einen Baggerführer.
  • In der Nacht zum 1. April wurden Kölner Bürger durch einen undefinierbaren Geruch beunruhigt, da sie ein neues Gasunglück befürchteten. Der üble Gestank veranlaßte zahllose Kölner Bürger, die Städtischen Gaswerke und die Polizei zu alarmieren. Am Folgetag teilte das Nachrichtenamt der Stadt Köln mit, keiner der Alarme sei auf austretendes Leuchtgas zurückzuführen gewesen. Vielmehr sei der Gasgeruch von den Bayerwerken in Dormagen gekommen, wo durch eine defekte Werksanlage sogenanntes Dimethylsulfid ausgeströmt ist. Die Farbenfabriken Bayer Dormagen wollen im Mai auf einer regionalen Pressekonferenz Stellung zu Maßnahmen nehmen, die zur Vermeidung solcher Geruchsbelästigungen und Luftverunreinigungen getroffen werden.
  • Die Heimkehrer des Ortsverbandes Worringen treffen sich im Lokal „Zink Tünnes“, um über die Teilnahme am Heimkehrer-Deutschlandtreffen Ende Juni in Hamburg zu sprechen.
  • BV Worringen-KESC 65, unentschieden 1:1. Es bestehen keine reellen Aufstiegschancen mehr.
  • 5 Knickebein-Eier kosten bei SPAR 75 Pfennige.
  • Der Kundenumsatz der Farbenfabriken Bayer einschließlich der Organgesellschaften betrug im Geschäftsjahr 1962 3,27 Milliarden DM.
  • Beim Standesamt Worringen wurde folgender Personenstandsfall registriert: Josef Axler und Rosemarie geb. Gburek, Alte Neußeer Landstraße 209, ein Sohn.
  • Die Eheleute Julius Schütz und Frau Margarete, Hackhauser Weg begehen ihre Goldene Hochzeit. Der Goldjubilar war als Polizeibeamter lange in Worringen tätig.
  • Der Worringen Rasse-Kaninchen-Zuchtverein hat wieder ein „Osterhasendorf“ auf den freien Wiesen am Sportplatz für die Kleinen aufgestellt.
  • Die Dramatische Vereinigung kann in diesem Jahr auf ihr 40jähriges Bestehen zurückblicken. Wie der Vorsitzende Hans Gatzen auf einer Versammlung im Saal Schwarz ankündigte, soll das Jubiläumsfest am 25. Mai gefeiert werden. Fünf noch lebende Gründungsmitglieder werden dann geehrt.
  • Vom 27. April bis 22. Mai führen Einheiten der englischen Streitkräfte der Rheinarmee eine großangelegte Truppenübung durch. Im Verlauf dieser Übung ist damit zu rechnen, daß auch das Gebiet der Stadt Köln von den Truppenbewegungen berührt wird. Bei der Übung ist mit dem Einsatz von Flugzeugen und Hubschraubern zu rechnen. Die Stadtverwaltung macht deshalb darauf aufmerksam, daß das Gelände um gelandete Flugzeuge und Hubschrauber im Umkreise von jeweils 100 m nicht betreten werden darf.
  • Das „Nordische Turnier“ der Worringer Ringer gewann Kollakowsky von Heros Köln. So konnte wieder kein Worringer Athlet gewinnen, der letzte war Fritz Annas, 1960.
  • Ausführung aller Familien- und Geschäftsfahrten, Tag und Nacht bereit, Mietwagen Boes, Hackenbroicher Straße 39. Zuverlässige Fahrer stehen für Sie bereit.

Heimat ohne Hoffnung - Auswanderer aus Worringen nach Nordamerika im 19. Jahrhundert

Auswanderung als Phänomen und Thema des 19. Jahrhunderts

Nein - mutwillige Abenteurer waren es nicht, die Heimat und Freunde verließen auf der Suche nach einer neuen, lebenswerten Existenz. Für die Auswanderung gab es unterschiedliche in ihrer Dramatik für uns heute kaum noch vorstellbare Ursachen: Hunger, Existenznot und politische Unterdrückung ließen einen Entschluss reifen, der nicht nur den Mut für die Entscheidung auszuwandern erforderte, sondern anschließend eine dauernde Bewährung verlangte. Auswanderung war ein Schicksal. Viele Mythen ranken sich um dieses Phänomen, die es näher zu beleuchten lohnt.

Die Auswanderung nach Amerika war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kein Massenphänomen. Die meisten Menschen, die ihre Heimat verließen, waren bis in die 1830er Jahre Einzelauswanderer. Erst danach und bis etwa 1890 brachen zahlreiche Familien, manchmal auch ganze Nachbarschaften und Dorfgemeinschaften nach Amerika auf. Wichtigste Ursachen waren strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Verarmung breiter Bevölkerungsschichten geführt haben.
Die Lebensverhältnisse in Worringen waren zu dieser Zeit gleichfalls als ärmlich zu bezeichnen. Die Versorgung der meisten Einwohner war äußerst dürftig, weil das geringe Realeinkommen kaum zum Leben ausreichte. Die Schulkinder mussten mitverdienen, im Frühjahr und Herbst verrichteten sie nach Unterrichtsschluss Feldarbeit. Gründlich wandelte sich dies erst um 1870, als Worringen vom industriellen Aufschwung erfasst wurde und die altüberkommenen gesellschaftlichen Formen und Inhalte in Bewegung gerieten.

                        

Viele Menschen wanderten im Laufe des 19. Jahrhundert aus dem deutschsprachigen Raum bzw. dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches aus. Die meisten gingen nach Nordamerika. Zwischen 1815 und 1848, dem Jahr der Revolution, verließen 600.000 Menschen das Gebiet des Deutschen Bundes. Zwischen 1816 und 1900 wanderten etwa 5 Millionen Deutschsprachige nach Amerika aus.
Die Zahl der Auswanderer nach Amerika lässt sich heute nur schwer genau ermitteln. Sie ist lange Zeit für nicht sehr hoch gehalten worden, was mit der unvollständigen schriftlichen Überlieferung zusammenhängt. Man brauchte eine Auswanderungserlaubnis, also eine offizielle Genehmigung. Die Behörden erhielten dadurch Kenntnis von den Auswanderungen, die beantragt wurden, für die also der erforderliche Konsens eingeholt werden musste, aber zahlreiche Auswanderer verließen auch ohne offizielle Erlaubnis ihre Heimat. In den Akten der jeweiligen Bürgermeisterei, bei der der Antrag gestellt wurde, in denen des Landrats, der ihn begutachtete, und in der Bezirksregierung, welche die Urkunde ausstellte, finden sich meistens also nur die bekannten Fälle, die der “erlaubten” Auswanderung.

                                                        

Wer wanderte aus?
In erster Linie verließen ihre Heimat die besitzlosen Menschen oder die, die durch den Wandel der Landwirtschaft zur Industrialisierung keine Arbeit mehr fanden. So gab es viele Kleinbauern und Handwerker, die hofften, in der "Neuen Welt" bessere Verhältnisse vorzufinden.
Die Industrialisierung hatte Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt und alte Handwerksgewerbe waren nicht mehr gefragt. Dazu kamen dann all diejenigen, die auch aus politischen Gründen das Deutsche Reich verließen. Also vor allem die gescheiterten Revolutionäre der 1848er Revolution, die aus Verzweiflung ihre Heimat aufgaben. Gerade ihnen schien Amerika mit seiner doch freiheitlichen Verfassung ein besseres Pflaster als die reaktionären Kleinstaaten im späteren Deutschen Reich.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts sollte sich das ändern, als sich das Deutsche Reich von einem Auswanderungsland in ein Einwanderungsland wandelte. Weil die Wirtschaft prosperierte, ging es auch vielen Menschen besser, und es bestand zumindest kein materieller Grund mehr, in die Fremde auszuwandern.

80 Tage auf kaum einem Quadratmeter
Die Schiffsreisen waren damals gar nicht so einfach. Man konnte ja nicht so einfach ins Flugzeug steigen und den Ozean überqueren. Zunächst musste man mit seinem Gepäck einen der sog. Überseehäfen erreichen. Das waren beispielsweise Bremerhaven, Hamburg oder Antwerpen. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Passagiere auf einem Überseeschiff nicht mehr als 1,88 m x 0,63 m Platz, um zu schlafen, zu essen und die Fahrzeit zu verbringen. Die anstrengende Überfahrt dauerte zwischen 40 und 80 Tagen. Erst gegen Ende des Jahrhunderts wurde es dann besser, als moderne und größere Schiffe mit leistungsfähigen Maschinen zum Einsatz kamen, die die Fahrzeit dann auf etwa zwei Wochen verkürzten.

              

Die Brücken zur Heimat waren meist abgebrochen
Auswanderung war keineswegs eine Garantie für die sprichwörtliche Karriere „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Allerdings haben viele Ausgewanderte in ihren Briefen an die Heimat durch ihre geschönten Berichte den Eindruck erweckt, in der neuen Heimat würde ihnen alles gelingen. Kein Wunder, dass die Daheimgebliebenen „hin und weg“ waren. Wenn man jedoch scheiterte, so führte auch oft genug kein Weg mehr zurück in die alte Heimat, denn man hatte ja dort alle Brücken abgebrochen. Doch wer ein Handwerk gelernt hatte und genügend Ausdauer besaß, erhielt eine Chance.
Trotzdem scheiterten viele in ihrer neuen Heimat. Weniger bekannt ist, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl der Ausgewanderten wieder zurückkehrte, um Illusionen ärmer und an Erfahrungen reicher. Sie zogen „hin und wieder weg“, nämlich zurück in die alte Heimat. Aus den Akten des 19. Jahrhunderts wird abseits des Üblichen Geschichte in Geschichten lebendig. Es öffnet sich der Blick für das Unbekannte, das Ungewohnte und das Überraschende. Vergangene Lebenswelten werden konkret und rücken näher. Dennoch, die Radikalität früherer Lebensweisen bleibt heute Lebenden fremd. Erkennbar aber ist, dass hinter Schicksalen und manchen Tragödien die Kraft und der Mut der Menschen erstrahlten, die den Aufbruch ins Ungewisse wagten.

Familien- und Ahnenforschung
Anlass zum Bericht waren Aktenvorgänge zu Sterbeeintragungen von Worringer Passagieren auf dem Dreimaster “Vierge Marie“ im Jahr 1854. Die Annahme, dies würde höchstwahrscheinlich mit einer damaligen Auswanderungswelle zusammenhängen, wurde durch Nachforschungen bestätigt.
Ausführungen zur SV Vierge Marie + 1854
„On November 9th, 1854, the Belgian wooden barque VIERGE MARIE,
built in 1827 by Marguerie and owned at the time of her loss by
Spilliaert-Caymax, on voyage from Antwerp to New York, was
wrecked on Long Island. All 27 crew were saved.”
Übersetzung
„Am 9. November 1854 havarierte die belgische Holzbark VIERGE MARIE,
erbaut 1827 durch Marguerie und beim Verlust im Besitz von
Spilliaert-Caymax, auf der Reise von Antwerpen nach New York vor
Long Island. Alle 27 Mitglieder der Crew wurden gerettet.“
Von den an Bord untergebrachten rund 130 Passagieren starben während der Überfahrt 27 (Zeitungsausgabe: „The New York Herald, November 11, 1854, Morning Edition“).

                                                    Abb. 10 klein
                                                                                                             LAV NRW R, PA 2106 Nr. Worringen S 1855, Urkunde 59

Nach Eintragungen im Schiffstagebuch Oktober 1854 von Kapitän Gerardus Seykens fanden folgende Worringer auf der Überfahrt (vermutlich wegen einer Typhuserkrankung) den Tod:
Anna Maria Hüsch am 11. Oktober 1854 (25 Jahre alt) - Eltern: Jakob Hüsch (67 Jahre alt?), geboren in Worringen, und Margaretha geb. Axler (62 Jahre alt)
Margaretha Bachem geb. Hüsch am 11. Oktober 1854 (56 Jahre alt), Witwe von Johann Bachem
Wilhelm Weber am 12. Oktober 1854 (24 Jahre alt) - Ehefrau: Catharina geb. Mux
Heinrich Blum am 17. Oktober 1854 (34 Jahre alt), geboren in Worringen (Weiß?) - Ehefrau: Agnes geb. Hüsch (33 Jahre alt)
Margaretha Blum am 17. Oktober 1854 (4 Jahre alt) - Eltern: Heinrich Blum und Agnes geb. Hüsch
Margaretha Dormann geb. Nicolini am 17. Oktober 1854 (44 Jahre alt) - Ehemann: Friedrich Dormann
Friedrich Dormann am 18. Oktober 1854 (43 Jahre alt), geboren in Worringen - Ehefrau: Margaretha geb. Nicolini
Petronella Blum am 26.10.1854 (1 Jahr alt) - Eltern: Heinrich Blum und Agnes geb. Hüsch

Die meisten der typisch-detaillierten Passagier- und Abfahrtslisten der auslaufenden Schiffe für Auswanderer registrierten neben Familienname, Vorname sowie Geburtsjahr, Herkunftsland, Herkunftsort und häufig auch den Beruf. Sie sind damit eine überaus wertvolle Quelle für unsere Familien- und Ahnenforschung.
Ausgewertet wurde die Auflistung des Landesarchivs NRW - Abteilung Rheinland - Auswanderer aus dem Rheinland, Düsseldorf 1997. Die hieraus erstellte Tabelle der Auswanderer aus Worringen nach Nordamerika im 19. Jahrhundert siehe Abbildung 11.

                                                           

Jedoch verließen auch zahlreiche Auswanderer ohne offizielle Erlaubnis ihre Heimat. Daher unser Aufruf an Sie: Melden Sie uns mündliche Überlieferungen zu Auswanderern aus Worringen, die im 19. Jahrhundert gen Westen aufbrachen. Überlassen Sie uns persönliche
Familienunterlagen (Familienchroniken, Briefwechsel, Postkarten u. ä.). Wir möchten diese für die Forschung auswerten. Danach erhalten Sie Ihre Unterlagen selbstverständlich zurück.
Kontaktaufnahme:
Hans-Georg Decker Tel. 02206 6634 E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Matthias Auweiler Tel. 0221 5901385 E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .
Während der Öffnungszeiten des Heimatarchivs ist in der Regel auch ein Teammitglied vor Ort.

Literaturquellen
Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2011 (2012) des “Kreisheimatbund Neuss e.V.“
https://www.landesarchiv-bw.de/auswanderung-im-19.-jahrhundert
https://wrecksite.eu/wreck.aspx?207109
Ermittlungen von Hans-Georg Decker und Matthias Auweiler, Familien- und Ahnenforschungsteam Heimatarchiv Worringen
Abbildungsnachweise
1 Archiv Rhein-Kreis Neuss
2 - 9 https://www.google.de/auswanderer-nach-amerika-im-19.jahrhundert/abbildungen
10 Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - PA 2106 Nr. Worringen S 1855, Urkunde 59
11 Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - Auswanderer aus dem Rheinland, Düsseldorf 1997
12 https://www.findagrave.com/memorial/109024418/lersch

Bericht: Manfred Schmidt
heimatarchiv-worringen.de/Februar 2018

 

Heimatarchiv Mitgliederversammlung

Archivräumlichkeiten bis 2024 gesichert

 

Der rührige Vorstand um “Jupp” Heinz hatte zur Mitgliederversammlung geladen und 19 von 105 Mitgliedern ließen sich die Teilnahme nicht entgehen und lauschten gebannt den Ausführungen des Vereinsvorstandes.

Hier bedauerte Jupp Heinz zunächst den leichten Mitgliederrückgang und bat um Werbung neuer Mitglieder, die auch gerne ein paar Jahre jünger sein dürfen. Ein Wunsch, den man versteht, wenn man weiß, dass der Großteil der Mitglieder bereits älter als 75 Jahre alt ist.

Heinz berichtete von zahlreichen Veranstaltungen, Ortsführungen und Ausstellungen, die sich bei der Worringer Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen.

Rückgängig sind allerdings die Besuche im Archiv selbst, die mittwochs von 17.00 bis 19.00 Uhr oder nach Vereinbarung, auch zu sonstigen Zeiten möglich sind.

Für die Zukunft sind erneut Ausstellungen und externe Vorführungen, wie zum Beispiel im Elisabeth-von-Thüringen-Haus, geplant. Auch dass mittlerweile Kindergartengruppen das Heimatarchiv besuchen, wurde vom Vorstand mit Freude aufgenommen.

Neu ist derzeit eine Ausstellung in einem Teilbereich des Archivs über sakrale Gegenstände und im November ist eine Ausstellung zu dem im Jahre 1906 in Worringen geborenen Priester Josef Marxen zum Thema „1.200 Jahre Kirche Christi in Worringen“ geplant.

Josef Marxen ging 1936 als Priester nach Albanien und wurde dort aufgrund seiner Glaubenszugehörigkeit 1946 in einem Wald bei Tirana erschossen. Verbunden wird die Ausstellung mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Überraschend gut verlief der Verkauf von Broschüren und Hefte, die über das Leben in Worringen oder deren Bürger berichten. „Das zeigt, dass sich der Worringer Bürger doch sehr für seinen Heimatort und dessen Geschichte interessiert“ kommentierte Heinz diese für den Verein positive Entwicklung.

Das Verwaltungstechnische betreffend, beklagte Jupp Heinz den immer höher werdenden Zeitaufwand für Dinge die nicht zur eigentlichen Arbeit im Archiv gehören. Hier gehen viele Stunden verloren, die man lieber nutzen würde, um sich um die Arbeit vor Ort zu kümmern.

Hierzu gehören auch Dinge wie die neue Satzung und jedwede Verwaltungsarbeit.

Mit Zufriedenheit wurde festgestellt, dass der Mietvertrag bis zum Jahre 2024 verlängert wurde, was dem Verein auch Planungssicherheit für die nächsten 6 Jahre gibt.

Die Finanzen des Vereins stehen auf gesunden Füßen und die Kassenprüfer bescheinigten dem Kassierer Dieter Engels eine einwandfreie Kassenführung. Für den ausscheidenden Kassenprüfer Paul Junker wurde Thomas Büchel als Kassenprüfer gewählt.

Jupp Heinz dankte seinem Vorstandskollegen Jürgen Lange, der gemeinsam mit Walter Bröder, neben der Arbeit im Archiv selbst, viel Zeit für Homepage aufbringen musste, da die Website des Vereins gehackt wurde und ein kompletter Neuaufbau vollzogen werden musste. Auch Manfred Schmidt, der für die Archivierung von rund 10.000 Dokumenten verantwortlich zeichnet, galt sein Dank.

Abschließend wurde auf die kommenden Vortragabende hingewiesen, die unter dem Motto „Fröher wor alles anders“ am 23. und 24. März im Sankt-Tönnis-Haus durchgeführt werden.

Heinz dankte allen Anwesenden und bat um Werbung neuer Mitglieder und rege Teilnahme an den Veranstaltungen und Führungen.

Text und Foto: Jakob Mildenberg

Brandneu im Heimatarchiv: das „Tüthoon"

                                                                                                                                                                  

Um das Jahr 1870 bestand in Worringen eine Freiwillige Feuerwehr, die sich hauptsächlich aus ortsansässigen Handwerkern aller Berufssparten und Landwirten zusammensetzte. Bis zur Errichtung der Freiwilligen Feuerwehr, wie wir sie heute kennen, beruhte das Feuerlöschwesen in erster Linie auf Nachbarschaftshilfe.

Rudi Michel übergab dem Heimatarchiv kürzlich ein „Brandhorn“, das bis etwa 1930 von seinem Großvater Franz Hüsch bei Feueralarm verwendet wurde. Im Kölnischen Sprachschatz wird dieses Relikt als „Tüthoon“ (Horn zum Blasen) bezeichnet.

Franz Hüsch (1872-1962), von den alteingesessenen Worringern „Kutscher“ genannt, wohnte Auf der Burg Nr. 13. Sowohl dort als auch im Ort verteilt befanden sich in mehreren Häusern Feuermeldestellen, deren Erkennungshinweis sichtbar am Haus angebracht war.

Bei einer Brandmeldung leiteten die dort ansässigen Signalgeber auf Blashörnern den Alarm nach einem festgelegten System an die nächstgelegenen Meldestellen weiter. Anhand der Anzahl von Signaltönen wussten die Einsatzkräfte, in welchem „Veedel“ sich die Brandstelle befand.

Um 1930 wurde diese Art der Kommunikation durch eine elektronische, von Hand gesteuerte, Brandsirene ersetzt. Vermutlich wurde sie auf dem Gebäude des Städtischen Kindergartens (St.-Tönnis-Straße 28) installiert.

Das Brandhorn ist im Heimatarchiv Worringen, Breiter Wall 2-4 zu den Öffnungszeiten (mittwochs von 17 bis 19 Uhr) zu sehen.

                                                                                                                        

 

 

Quellen: Rudi Michel und Maria Esser
Bericht und Fotos: Heimatarchiv Worringen e.V.