Was stand im Juni 1978 über Worringen im "Fips"?
Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat Juni 1978
- Infolge Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn wurde der Bahnhof Worringen als selbstständige Dienststelle aufgehoben und dem Bahnhof Köln-Longerich angegliedert. Bedingt durch diese Maßnahme zur Wirtschaftlichkeit wurden der Bahnhofdienststellenleiter sowie sein Vertreter von ihrem Amt freigestellt, jedoch nicht entlassen. Laut Untersuchungen der Bundesbahndirektion floriert der Bahnverkehr in Worringen nicht so sehr, wie es an anderen Bahnhöfen der Fall ist. So ist der Fahrkartenschalter in Worringen nur noch montags bis freitags von 6 bis14 Uhr mit einem Schalterbeamten besetzt, in den übrigen Zeiten bedient der Fahrdienstleiter den Schalter mit, verkauft jedoch nur Fahrkarten für den Nahverkehr, soweit seine Dienstgeschäfte es zulassen.
- Das interessiert die alten Worringer: Im Juni 1945 übergab der Bürgermeister Göbel der Schule 10 Pfund Zucker zur Herstellung von Karamellen für die Kinder. Im Juni 1951 wurde der Bürgerverein gegründet.
- Gerhard Dane, Worringer Pfarrer von St. Pankratius hat anlässlich des 690. Jahrestages der Schlacht von Worringen die Frage aufgeworfen, ob diese Schlacht, die „den traurigen Ruhm Worringens in der deutschen Geschichte“ mit hunderten von Todesopfern markiert habe, festlicher Rückblick wert ist. „Wir sollten beten, dass die Menschen endlich aufhören, gegeneinander mit blutiger Gewalt vorzugehen und schon jetzt sollten wir überlegen, ob eine 700 Jahr-Feier (am 5.Juni1988) überhaupt einen Sinn hat.“
- Bei Radio H. Schlömer auf der Alten Neusser Landstraße gibt es den Grundig Supercolor 8432 Fernseher mit 66cm superscharfem Farbbild, Fernsteuerung für 16 Programme, Sendersuchlauf und 15-Watt Super-Ton für 2048 DM.
- Wird Oberarzt Dr. med. Balkal Yekebas, Stellvertreter von Chefarzt Dr. Horst Bourmer im Worringer Krankenhaus ein Opfer der deutschen Bürokratie? Dies jedenfalls ist anzunehmen, wenn dem in der Bevölkerung so beliebten türkischen Arzt , der nun schon 15 Jahre in Worringen tätig ist, von der Landesregierrung Düsseldorf die Berufserlaubnis zum 30. Juni entzogen würde. Dies soll die Folge des in Nordrhein-Westfalen derzeit praktizierten „Türrkenstopps“ sein. Als die Aufhebung in der Bevölkerung bekannt wurde, veranstaltete man sofort eine Unterschriftenaktion, die sogar nachts weitergeführt wurde. Neben dem kompletten Krankenhauspersonal unterzeichneten unzählige Worringer Bürger, die Mitglieder des Krankenhausfördervereins, der Bürgerverein etc.Die Begründung der Landesregierung, dass es immer mehr deutsche Mediziner gebe, sei zwar zu akzeptieren, aber man müsse doch einsehen, dass dies hier in Worringen nicht praktiziert werden könne, so Pfarrer Gerhard Dane. Immerhin sei Dr. Yekebas Stellvertreter von Chefarzt Dr. Bourmer, der wiederum aufgrund seiner medizinal-politischen Tätigkeit sehr oft außer Haus sei und dementsprechend Dr. Yekebas die Leitung des Krankenhauses obliegt. Nicht zu vergessen, dass das Worringer Krankenhaus Unfallpatienten aus dem gesamten Kölner Norden und sogar Patienten aus der benachbarten Stadt Dormagen aufnehme. Die Mitarbeiter des Krankenhauses wären empört über diese Handlung der Landesregierung und die Behandlung eines allerseits geschätzten Arztes und Menschen und fordern eine Weiterbeschäftigung.
- Bi der Bezirksverwaltung Chorweiler sind alle Weichen darauf gestellt, dass zum 1. September nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Standortfrage in Worringen auf dem Schmalen Wall der erste städtische Wochenmarkt abgehalten werden kann. Bis dahin soll auch die noch offene Frage der Bereitstellung von Toiletten geklärt sein.
- Der neue Kracker V der Erdölchemie wird angefahren und damit die seit einigen Wochen unterbrochene Äthylenoxid-Produktion wieder aufgenommen. Die EC bittet um Verständnis für einen möglichen Betrieb der Hochfackeln.
- Der Landesverband NRW berief den Worringer „Radtreter“ Harry Schmitz (Jugend A) in die Auswahlmannschaft, die an der internationalen 3-Etappenfahrt von Böchingen/Pfalz an den Start ging. Schmitz konnte unter den 99 Mitkonkurrenten am 2. Tag einen 5.Rang belegen und im Endklassement den 10. Platz sicherstellen. Die NRW-Auswahl errang hinter den Teams aus Holland, Belgien, Frankreich und Dänemark den 9.Rang.
- Die Filmothek in Krebelshof zeigt: „Aufstand der Tiere“.
- Das war ein Gaudi nach einem Feldgottesdienst auf dem Gelände an der Hackenbroicher Straße/Grimlinghauser Weg im Rahmen des Stadtfeuerwehrtages. Ex-Karnevalsprinz Harry Krusche machte sein Versprechen wahr und übergab an Pfarrer Gerhard Dane eine putzmuntere zweijährige Eselsdame namens „Harrie“. „Sie können mir schon glauben : Ein Elefant oder ein Kamel ist leichter zu besorgen als ein Esel“, kommentierte Krusche gegenüber dem Pastor. Denn erst in der Nähe von Frechen hatte er das Tier gesehen und gekauft.Festkomitee-Präsident Willy Miebach meinte dann auch humorvoll, dass „der Herr Pastor künftig an den Palmsonntagen mit dem Esel durch Worringen reiten müsste“. Auf die Frage, was denn nun mit dem Esel geschieht, antwortete Pastor Dane: Der grast sich jetzt durch Worringen. Denn jeder, der „Harrie“ einmal haben möchte (ein Stück Grünfläche sei allerdings ratsam) kann das Tier für eine Weile zu sich nehmen. Auf diese Weise habe man in Worringen jetzt sogar eine buchstäbliche lebendige „Eselsbrücke“ . „Denn die Leute bleiben stehen und kommen so ins Gespräch“.
Erstellt : Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.
Bearbeitet : Reinhard Zöllner– Heimatarchiv Worringen e.V.
Juni 2026
